STREAMER

mit

Sebastian Neubauer, Daniel Vier und Svenja Wassill

24. Februar bis 11. April 2020

Eröffnung 23. Februar 2020, 19 Uhr, in Anwesenheit der Künstler

STREAMER – der Titel der Ausstellung führt direkt in die Datenströme unserer Zeit. Ein Streamer sendet. Und er sendet viel, ein Fluss von Daten, der englische Stream, der von etwas Ununterbrochenen ausgeht, Wassermassen, Informationen, unsichtbar. Virtuelle Realität, Künstliche Intelligenz, der Roboter als der bessere Mensch: Die aktuelle Diskussion verlässt in vielen Bereichen die Ebene der Realität, sie sucht das Nicht-Fassbare, und dringt dabei in utopische Räume vor. Wer streamt was? Über und für wen, nach welchen Algorithmen? Latent schwingt das Unbehagen des nicht Greifbaren mit, eine Turn-of-the-Century Ghost Story, bei der hinter dem Bekannten das Monströse und hinter der ersten Realität eine zweite, verborgene lauert. Die Künstler der Ausstellung haben sich dieser zweiten Ebene gewidmet. Sie nehmen das Netz der Datenströme ins Visier und machen sich auf die Suche nach dem Raum, der sich zwischen der virtuellen und unserer Realität öffnet.

Daniel Vier

  • DANIEL VIER  Aporia, 2019  Holzstaub, Pigment und Öl auf Relief auf Leinen  180 x 130 cm

    Daniel Vier

    APORIA, 2019

    Holzstaub, Pigment und Öl auf Relief auf Leinen

    180 x 130 cm

Daniel Viers abstrakte Gemälde sind nur vorgeblich stringente Raumkonstruktionen. Fluchtpunkte ändern sich auf halber Strecke, Linien laufen parallel, andere arbeiten mit Zentralperspektive, die in sich wieder gebrochen wird. Matte Flächen ziehen den Betrachter ins Bild, konterkariert durch glänzende, materialsichtige oder metallische Flächen. Der Raum wird zum Experimentierfeld, nur auf den ersten Blick signethaft und eindeutig.

  • DANIEL VIER  Diamont, 2017  Silberlack und Acryl auf Leinen  130 x 110 cm

    Daniel Vier

    DIAMANT, 2017

    Silberlack und Acryl auf Leinen

    130 x 110 cm

  • DANIEL VIER  Place of no Pity, 2017  Silberlack und Acryl auf Leinen  170 x 200 cm

    Daniel Vier

    PLACE OF NO PITY, 2017

    Silberlack und Acryl auf Leinen

    170 x 200 cm

  • DANIEL VIER  Distrikt, 2017  Silberlack und Acryl auf Leinen  130 x 110 cm

    Daniel Vier

    DISTRICT, 2017

    Silberlack und Acryl auf Leinen

    130 x 110 cm

  • DANIEL VIER  Now Here Nowhere, 2017  Lack auf Leinen  35 x 25 cm

    Daniel Vier

    NOW HERE NOWHERE, 2017

    Lack auf Leinen

    35 x 25 cm

Jüngste Arbeiten zeigen streng symmetrische Reliefstrukturen. Hieratisch ragen die großformatigen Bilder über den Betrachter, erinnern an archaische Architekturen. In der blau ausgeleuchteten Installation erhält das pudrige Blau der Oberfläche eine mystische Wirkung, die es dem gegenwärtigen Raum enthebt. Doch was so archaisch wirkt, bezieht sich in Wirklichkeit auf die digital Welt. Die Strukturen, die so haptisch wirken mit ihrem Relief und der pudrigen Farbsubstanz, sind an Computerspiele aus den 80er Jahren angelehnt, der „archaischen Architektur“ von Spielepionieren wie Pacman. Raum ist relativ und das Digitale erobert die dritte Dimension.

Svenja Wassill

  • Svenja Wassill  Superlove, 2019  Installation, Plüschfiguren, Kabel / Motor / Audio  1 „Gizmo“ cm Ed., Auflage ∞

    Svenja Wassill

    SUPERLOVE, 2019

    Installation, Plüschfiguren, Kabel / Motor / Audio

    1 „Gizmo“ cm

    Ed., Auflage ∞

  • Svenja Wassill  Schlummerschlaf, 2016  Ed., 1/5  Videoloop, 1,07 min

    Svenja Wassill

    SCHLUMMERSCHLAF, 2016

    Ed., 1/5

    Videoloop, 1,07 min

  • Svenja Wassill  hi, 2018  Fotografie, Unikat Großformatdruck, Schattenfugenrahmen  140 cm x 120 cm

    Svenja Wassill

    HI, 2018

    Fotografie, Unikat

    Großformatdruck, Schattenfugenrahmen

    140 cm x 120 cm

Niedlich sind sie, die kleinen Gizmos von Svenja Wassill. Plüschig, kuschelig, unschuldig weiß singen sie ihre Melodie. 11fach. Alles Klone des kleinen Gizmos, Auflage unendlich wie die unendliche Vermehrung des kleinen außerirdischen Monsters aus dem Film – wenn man den Fehler begeht, es mit Wasser in Berührung zu bringen. 11fach die gleiche Melodie, gegenläufig dissonant, ohne Gesicht, ohne Fixpunkt. Sind die fluffigen Plüschwesen wirklich harmlos? Schon die falsche Ernährung kann das süße Wesem im Film in kleine Monster verwandeln. Svenja Wassill transferiert die Ambiguität des Wesens in ihre Arbeit: Droht hinter der gesichtslosen Masse die Gefahr? Vielleicht.

Die zweite Ebene spielt auch in anderen Arbeiten Wassills eine Rolle. Eine Gruppe Lemuren Äffchen kuschelt in der Zwischenwelt des Traumes. Plötzliches kollektives Hochschrecken – irgendetwas muss sie erschreckt haben… Was ist real, ist auf die eigene Wahrnehmung Verlass? Eine Fotografie lässt den Betrachter im Unklaren. Dunkler Schatten, ein Blick um die Ecke – hat die Kamera hier einen Außerirdischen eingefangen? Das so gerne in Dokumentationen verwendete Medium wird mystisch, unklar und rührt im Verborgenen, ein Spiel mit dem Unheimlichen.

Sebastian Neubauer

  • Sebastian Neubauer  MASHUPFORSCHUNGSREISE, 2007  Künstlerbuch, A4, 80 Kapitel, 328 Seiten nummeriert, signiert  Aufl. 100

Sebastian Neubauer reflektiert in seinen Arbeiten Gesellschaftsbilder, Kulturphänomene, klassische Vorlagen und neue Medien. In MASHUPFORSCHUNGSREISE ist der Name Konzept: Neubauer nutzt die Vielfalt der im Netz einsehbaren Informationen zu einem Mashup der Publizistik. Und überführt dabei zugleich den sich verändernden digitalen Inhalte zurück in die beständige Form des Buches.

  • Sebastian Neubauer  Finchat, 2020  Auflage 10+2 AP  FineArt Pigment Druck,  nummeriert, signiert  20 x 26 cm

    Sebastian Neubauer

    FINCHAT, 2020

    Auflage 10+2 AP

    FineArt Pigment Druck, 

    nummeriert, signiert

    20 x 26 cm

  • Sebastian Neubauer  1a tradition des images, 2020  Objekt  ca. 10 x 10 x 10 cm  handbemalt, „Auflage“ 40 + 1 AP nummeriert

    Sebastian Neubauer

    1A TRADITION DES IMAGES, 2020

    Objekt

    ca. 10 x 10 x 10 cm

    handbemalt, „Auflage“ 40 + 1 AP

    nummeriert

  • Sebastian Neubauer  MASHUPFORSCHUNGSREISE, 2007  Künstlerbuch, A4, 80 Kapitel, 328 Seiten nummeriert, signiert  Aufl. 100

    Sebastian Neubauer

    MASHUPFORSCHUNGSREISE, 2007

    Künstlerbuch, A4, 80 Kapitel, 328 Seiten

    nummeriert, signiert

    Aufl. 100

Das Internetprojekt „longing birds“ gibt den Vögeln das Twittern zurück. In der Installation in Langenhagen 2012 nahm eine Kamera, die durch Bewegungsmelder aktiviert wurde, Wellensittiche vor einem GreenScreen in einer Voliere auf. Die Aufnahme wurde mit Ergebnissen aus der Google Bildersuche verknüpft – Sonnenuntergänge, Berglandschaften, Strände: Fotografien, automatisch von Wellensittichen getwittert. „Die Welt muss romantisiert werden. Nur so findet man den ursprünglichen Sinn wieder“ zitiert der Künstler in der Projektbeschreibung Novalis. Ein romantischer Kontrapunkt in einem digitalen Medium, das aktuell eher mit Hate Speech als mit Sehnsuchtsorten von sich reden macht.

  • Sebastian Neubauer, LONGING BIRDS, 2012  Auflage 3+1  FineArt Pigment Druck,   nummeriert, signiert  15 x 20 cm

    Sebastian Neubauer

    LONGING BIRDS, 2012

    Auflage 3+1

    FineArt Pigment Druck, 

    nummeriert, signiert

    15 x 20 cm

  • Sebastian Neubauer, 2012  Auflage 3+1  FineArt Pigment Druck,   nummeriert, signiert  15 x 20 cm

    Sebastian Neubauer

    LONGING BIRDS, 2012

    Auflage 3+1

    FineArt Pigment Druck, 

    nummeriert, signiert

    15 x 20 cm

  • Sebastian Neubauer  longing birds, 2012  Auflage 3+1  FineArt Pigment Druck,  nummeriert, signiert  15 x 20 cm

    Sebastian Neubauer

    LONGING BIRDS, 2012

    Auflage 3+1

    FineArt Pigment Druck, 

    nummeriert, signiert

    15 x 20 cm

Die Onlinewelt richtet sich nach dem Gehalt von Datenströmen aus. Messungen, Analysen, alles scheint nachvollziehbar, gläsern und predictive. Bis zu dem Moment, in dem sich die Ebene dahinter öffnet.